Life 3000: Spiel des Lebens


»Life 3000: Spiel des Lebens«

Jugendroman

 

Jonathan ist auserkoren ein neuartiges Computerspiel zu testen, das von der Wirklichkeit kaum mehr zu unterscheiden ist. Gemeinsam mit Katharina und Bernhard erlebt er in bunten Welten viele Abenteuer. Doch dann verschwimmen Realität und Spiel. Die Ereignisse nehmen eine dramatische Wende …

 

»Life 3000: Spiel des Lebens« spielt sich im selben erzählerischem Universum ab, wie die »Spheres«-Trilogie. Dennoch lässt es sich separat lesen und ist in sich abgeschlossen.

 

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Teil 1 – Spielbeginn
1. Die Insel


Der Junge blickte auf die Uhr auf seinem Handgelenk. Es war kurz vor siebzehn Uhr, also hatte er noch etwas Zeit, bis sein Vater nach Hause kam. Schnell wollte er noch einige Aufgaben der Simulation erledigen und setzte den Helm, den er kurz abgelegt hatte, wieder auf.
Der Rechner summte kaum hörbar und der Bursche spürte den wohlbekannten, kurzen Schmerz, verursacht durch die Verbindung, die das Gerät mit seinem Gehirn aufbaute.
Erwartungsvoll schloss er die Augen und das vertraute Hochgefühl stellte sich wieder ein, als der Schmerz nachließ und sich das Bild langsam aufzubauen begann.
Was würde es diesmal sein?
Nach und nach erkannte er, dass es eine paradiesische Insel war. Er stand nun an einem Sandstrand, zu seiner Rechten erstreckte sich endloses Meer, das beinahe türkisfarben funkelte. Zu seiner Linken wich der Strand so nach und nach einem Dschungel. Was gab es noch zu sehen? Er sah sich um und konnte in der Ferne auch die Ruinen eines alten Gebäudes erkennen.
Vorfreude flammte in ihm auf, bei dem Gedanken all dies zu erkunden, da fiel ihm auf, dass nun
Geräusche zu hören waren. Das versprochene Update hatte es offenbar in sich. Fasziniert schloss Jonathan die Augen, um die Vielzahl der Klänge heraushören zu können. Da war das Rauschen der Wellen, die am Strand aufschlugen. Ebenso war eine Menge an verschiedenen Vögeln und anderen Tieren zu hören.
Dieses Update war seit langem angekündigt worden und von den Testern heiß ersehnt. Jonathan war ein Tester der ersten Stunde, ausgewählt wurde er wohl durch pures Glück. Etwa tausend Testpersonen sollten das Produkt ausgiebig testen, einige davon sollten eben auch Jugendliche sein. In der Schule wurde es ausgeschrieben, er hatte sich beworben und tatsächlich kam er in die Testgruppe. Abgesehen davon, dass er dafür sogar bezahlt wurde, machte es ihm einen Heidenspaß.
Der »Life 3000« war eine bahnbrechende Entwicklung einer Firma, die sich ohnehin schon einen großen Namen in der Unterhaltungsindustrie gemacht hatte. Jonathan hatte der »Game Factory« schon so manchen Spielspaß zu verdanken.
Allerdings waren es trotz bahnbrechender Technologie und Spitzengrafik lediglich Video-spiele, wenn auch auf hohem Niveau.
Der »Life 3000« allerdings war mehr, auch wenn noch bei weitem nicht alles so funktionierte, wie es letztlich sollte.
Das Gerät bestand aus einem Helm, der beinahe den Dingern ähnelte, die man früher aufsetzen musste, wenn man mit dem Motorrad fuhr, aber natürlich nicht so altmodisch. In diesem Helm befand sich ein Hochleistungsrechner, das Besondere war aber, dass die Bilder und sonstigen Eindrücke weder auf einem Bildschirm, noch auf einer Brille gezeigt wurden, sondern direkt im Gehirn erzeugt wurden. Letztendlich, so versprachen die Entwickler, sollte ein Erlebnis, das durch den »Life 3000« erzeugt wird, von einem echten Erlebnis nicht zu unterscheiden sein, zumindest nicht, was die Echtheit der Eindrücke betraf.
Ziel war es, alle möglichen fantastischen oder auch realistischen Szenarios im Kopf des Kunden zu erzeugen. Das völlig freie bewegen durch verschiedene Welten mit völliger Handlungsfreiheit.
In der ersten Testphase war Jonathan ein wenig enttäuscht, denn wenn der Apparat es auch tatsächlich schaffte, Bilder in seinem Kopf zu erzeugen, war es eine magere Angelegenheit. Weder war sein eigener Körper wahrzunehmen, noch wirkten die Bilder echt. Man konnte nichts anfassen und alles, das möglich war, war es, irgendwie durch die Gegend zu schweben.
Doch das sollte sich bald ändern. Die Umgebung wurde immer realistischer, der eigene Körper war wahrzunehmen und man konnte Gegenstände aufheben und wieder wegwerfen. Mit der Zeit begegnete man Spielcharakteren, denen man zum Beispiel etwas überreichen konnte. Jonathan war sich dessen bewusst, dass er, weil er erst fünf-zehn war, nicht auf alle Möglichkeiten Zugriff hatte. So hieß es beispielsweise, dass für ihn starke Gewalt im Spiel niemals auftauchen würde.
Einige große Etappen waren von den Programmierern noch zu meistern. So gab es das Versprechen, dass man sämtliche Eindrücke auf den Körper, genauso wie im wirklichen Leben fühlen sollte. Wärme, Kälte, Berührung, Nässe, Wind und vieles mehr. Charaktere, denen man im Spiel begegnete, sollten in der Lage sein mit dem Spieler Unterhaltungen zu führen und sich bei Wiedereintritt des Spielers an alles erinnern. So sollte man Freundschaften aufbauen, auch Figuren beleidigen oder es sich mit ihnen verscherzen können. Es würde möglich sein, von den fiktiven Menschen Aufgaben zu erhalten, dann konnte man sich entscheiden ihnen zu helfen, oder auch nicht.
In dieser Phase wäre es dann vorgesehen, dass sich der Testspieler vorher für ein Szenario entschied und dieses dann über einen längeren Zeitraum immer wieder zu spielen und ausgiebig auszutesten.
Eine der letzten Neuerungen sollte dann sein, dass man den ganzen Spaß mit anderen Spielern gemeinsam erleben konnte. Das allerdings, so dachte Jonathan, würde wohl noch ein Weilchen dauern.
Vermutlich für den Zweck des gemeinsamen Antestens waren zwei weitere Schüler aus seiner Schule in die Riege der Testspieler aufgenommen worden. Bernhard Schneider und Kathrin Müller hießen die beiden, doch obwohl die beiden in die Parallelklasse gingen, hatte Jonathan bisher kaum mit ihnen gesprochen. Sein älterer Bruder hätte es wohl so ausgedrückt, dass er nicht in der Liga der beiden spielte.

Kathrin war der Schulschwarm, wohl die Wunschfreundin der Hälfte der männlichen Absolventen. Bernhard war groß, sportlich und das Alphamännchen der angesehensten Clique. Jonathan vermutete, dass beide wohl nicht mal seinen Namen kennen würden.
Jonathan schlenderte über den Strand, dabei beobachtete er Fische im Wasser, die sich sehr nahe an das Ufer heranwagten. Er ging etwas weiter hinein, sodass ihm das Wasser bis an die Knöchel reichte. Die Optik war einwandfrei gemacht, lediglich die Kühle und die Nässe fehlten noch. Er griff in das Wasser und hob eine Muschel auf und betrachtete sie.
Plötzlich nahm er eine Bewegung wahr. Gespannt blickte er hin, da sah er das Mädchen. Sie sah aus wie eine Eingeborene. Sie war in seinem Alter und sehr hübsch, gleich fielen ihm die braungebrannte Haut und die großen, fragenden Augen auf. Verlegen lächelte sie ihn an.
»Hallo«, sagte er und lustigerweise fühlte er sich auch verlegen. Sie winkte schüchtern mit der Hand.
»Schau mal, was ich gefunden habe«, sagte er zu ihr, weil er keinen Plan hatte, was er mit ihr sprechen sollte und streckte ihr die Muschel entgegen. Sie nahm sie und lächelte ihn an, jetzt weniger verlegen.
Jonathan begann zu erahnen, wie toll das Spiel sein würde, wenn die fiktiven Figuren sprechen könnten.
Auf einmal spürte er eine Berührung an der Schulter. Jonathan blickte sich um, aber da war niemand außer ihm und dem Mädchen. Doch wiederum fühlte es sich an, als würde ihm jemand auf die Schultern klopfen. Da dämmerte es ihm und er sagte laut: »Spiel beenden!«


Die Grafik verschwand und er nahm das Gerät ab.
Sein Vater stand neben ihm und warf ihm einen leicht vorwurfsvollen Blick zu.
»Wolltest du nicht deiner Schwester bei ihrer Bastelarbeit für die Schule helfen?«, fragte er und der Ton war nicht weniger vorwurfsvoll.
»Oh, Entschuldigung, das habe ich ganz vergessen. Sie hätte ja was sagen können«, antwortete er.
Natürlich war ihm klar, dass Sabine viel zu schüchtern war, ihn während eines Testspieles zu unterbrechen.
»Das hat sie aber nicht. Na gut, komm mal runter zum Abendessen, vielleicht kannst du ihr danach noch ein wenig helfen. Und bitte entschuldige dich bei ihr, ich glaube, es hat sie gekränkt«, meinte sein Vater.
Das konnte sich Jonathan durchaus vorstellen. Wenn Sabine auch sonst kein Klischee eines zwölfjährigen Mädchens erfüllte, dann doch das, dass sie ziemlich leicht eingeschnappt war.

2. Geschichtsunterricht und der Olymp

 

Normalerweise mochte Jonathan Geschichtsunterricht, doch zurzeit fand er ihn eher langweilig. Sie hatten den letzten Weltkrieg durchgeackert und nun wollte der Fachlehrer einen Test über die Weltkriege halten, und zwar über alle vier. Daher standen diese und wohl die nächsten Geschichtestunden ganz im Zeichen dieser schrecklichen Kriege.
Eine Reihe vor ihm saß Gerlinde, die offen-sichtlich noch gelangweilter als er war, es war daran zu erkennen, wie sie demonstrativ lümmelte. Völlig spontan drehte sie sich zu ihm um und warf ihm eine zerknüllte Papierkugel auf den Kopf.
»Gerlinde, ich glaube nicht, dass es dir schaden würde, ein wenig besser aufzupassen. So gut waren bei dir die letzten Tests nicht gerade«, er-mahnte der Lehrer sie mit scharfer Stimme.
Gerlinde war ein molliges Mädchen, mit widerspenstigen Locken, dass meist ein schelmisches Grinsen auf Lager hatte, dazu auch irgendwelchen Unfug im Kopf.
Seit letztem Schuljahr war er mit ihr befreundet und hing am Schulhof viel mit ihr herum. Hin und wieder kam sie auch zu ihm nach Hause, entweder um gemeinsam zu lernen, oder mit dem Rad herumzufahren.
Ihr Vater hatte ihn mal fast wie beiläufig gefragt, ob sie denn seine Freundin wäre. Jonathan hatte natürlich sofort verneint. Das hatte sowohl seinen älteren Bruder Michael, sowie Sabine nicht davon abgehalten ihn damit aufzuziehen.
»Gerlinde, sag mir doch gleich mal, was die Ursache für den Vierten Weltkrieg waren«, forderte der Fachlehrer verstimmt auf.
»Einerseits war er ein Resultat des dritten Welt-kriegs und den damit einhergehenden Bedingungen für die Verlierer, andererseits bildeten sich diktatorische Systeme heraus, in Verbindung mit einer Verarmung und Fanatisierung der Bevölkerung«, antwortete die Schülerin mit einem provo-kanten Grinsen.
»Ganz genau. Und nun pass trotzdem bitte auf. Also, wir dürfen uns die Gesellschaft vor fünfzig Jahren nicht so vorstellen, wie sie heute ist. Bildung, Aufklärung und auch der Wohlstand sind ein ganz anderer. Und obwohl es durchaus ähnli-che Bewegungen gibt, wie damals, könnte sich das wohl niemals mehr so zuspitzen. Andererseits gibt es genug gefährliche Staaten außerhalb der großen Mauer. Armut, Unwissenheit, Krankheiten, Verbrechen herrschen dort. Viele Mächte blicken neidisch auf die Errungenschaften von Neueuropa.«
Das Läuten der Glocke unterbrach seine Erläuterungen.
Es war ziemlich heiß, als Jonathan gemeinsam mit Gerlinde und einem Schüler namens Gerald auf dem Pausenhof stand.
»Lernen wir heute gemeinsam?«, wollte sie von ihm wissen.
»Heute eher nicht, ich will das Spiel wieder testen und dann mal wieder ein Feedback für die Firma schreiben.«
»Du immer mit deinem Spiel«, sagte sie und verdrehte die Augen.
»He, es bringt Geld«, protestierte er, »Und es macht Spaß«, fügte er hinzu.
»Ist ja schon gut. Ich werde dann mal … He, sieht aus, als kriegen wir hohen Besuch«, sagte sie mit leicht verächtlichem Tonfall.
Bernhard Schneider und Kathrin Müller kamen langsam auf die kleine Gruppe zu.
»Hallo, bist du Jonathan Gruber?«, fragte Bernhard, und es klang eigentlich nicht unfreundlich.
»Ja, wieso?«, entgegnete er.
»Nur, weil wir gehört haben, dass du auch Testperson für den Life 3000 bist. Wenn die letzte Phase stattfindet, dann sollen wir uns gemeinsam ein Szenario aussuchen und es zusammen testen, also wir drei.«
»Ich heiße Katharina«, warf das Mädchen ein.
»Freut mich«, antwortete er und hatte das Gefühl rot zu werden. »Ich heiße Jonathan«, fügte er hinzu. Dann wurde ihm klar, dass Bernhard seinen Namen ja schon gesagt hatte und das Gefühl rot zu werden wurde merkbar stärker.«
Katharina grinste kaum merklich.
»Naja, bis zur Endphase wird es noch lange dauern. Jetzt kommt erst das körperliche Empfinden, dann die Fähigkeit der Spielcharaktere zu sprechen und erst dann die Möglichkeit mit anderen zu spielen«, warf Jonathan ein.
14
»Allzu lange wird es nicht mehr dauern«, entgegnete Bernhard, »mein Testleiter hat gemeint, dass uns wahrscheinlich schon in einem Monat das ganze Paket zum Testen gegeben wird. Naja, wir werden ja sehen. Wir müssen dann wieder rüber. Man sieht sich.«
Jonathan hob die Hand zur Verabschiedung und versuchte dabei lässig zu wirken.
»Na so was», stichelte Gerlinde, »wegen deines Spiels neigt sich der Olymp zu dir herab.«
»Sieht ganz so aus.«
Nun meinte Gerald, der bisher kaum etwas gesagt hatte: »Würdest du mich das Ding mal ausprobieren lassen?«
»Das geht leider nicht. Erstens ist es ausdrücklich verboten, zweitens ist das Gerät auf mein Gehirn eingestellt«, entgegnete Jonathan.
»Mich hat er auch nicht lassen, falls es dich tröstet«, warf Gerlinde trocken ein.
»Das tröstet mich nicht wirklich. Wenn die Dinger auf den Markt kommen, dann kann sie sich jemand wie ich wahrscheinlich nicht leisten.«
»Ich selbst wohl auch nicht und das Testgerät muss ich zurückgeben.«
»Na hoffentlich, vielleicht gibt es dann wieder ein anderes Thema«, sagte Gerlinde.
»Tue doch nicht so, als gäbe es kein anderes Thema mehr.«, entgegnete Jonathan etwas trotzig.
»Wenn´s doch wahr ist.«


Jason Darkstone

Romanautor

 

Geboren wurde ich im Dezember 1975. Bald darauf ging ich aber bei einem Spaziergang verloren und wurde von Wölfen großgezogen. Denen fehlte es aber an den nötigen Nerven, daher brachten sie mich bald zurück.

Schon in meiner Kindheit und Jugend hatte ich eine überschäumende Fantasie und unterhielt Freunde mit meinen Geschichten.
Ich lebe gemeinsam mit meiner Frau in einem kleinen Städtchen in Niederösterreich.
Beruflich bin ich als Gärtner tätig.

Zu schreiben begonnen habe ich schon in meiner Jugendzeit, wenn ich dazwischen auch längere Zeiten der Schreib-Abstinenz hatte.

Vom Genre her bewege ich mich in verschiedenen Gefilden. Besonders wohl fühle ich mich im Bereich der Science-Fiction Fantasy und dem Superheldenroman, wenn ich auch gerne Abstecher Richtung Thriller oder Drama mache.

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